© Kirsten Giese

Modellregion Schlei

Vom Modellprojekt zur Vorbildregion

Gemeinsam mit den Kreisen Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde sowie dem Land Schleswig-Holstein hat sich der Naturpark auf dem Weg gemacht eine „Modellregion Schlei“ zu entwickeln. Ehrgeizige Ziele bestehen schon lange, den schlechten Umweltzustand der Schlei sowie ihres einzigartigen Umfelds nachhaltig zu verbessern. Schritt für Schritt werden nun die bestehenden Herausforderungen angepackt, um die Schätze der Region besser bewahren zu können. Dabei befassen wir uns mit dem gesamten Gewässereinzugsgebiet der Schlei und gehen damit über die derzeitigen Naturparkgrenzen hinaus.

Für eine stärkere Förderung des Biodiversitäts-, Klima- und Gewässerschutzes sollen Synergien und tragfähige Kooperationen im Projektgebiet aufgebaut und gestärkt werden. Auf diesem Weg soll sich unsere Region Stück für Stück noch stärker zu einem Positivbeispiel für eine funktionierende Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Tourismus, Gewässer- und Naturschutz entwickeln.

Modellprojekt

Kernthema: Gewässerzustand der Schlei

blick_nach_vorn © Hauke Harder

Der Startschuss für die Entwicklung der Modellregion Schlei ist mit dem Beginn eines drei-jährigen Pilotprojekts am 01.04.2020 gefallen. Das durch die Kreis Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde sowie dem Land Schleswig-Holstein initiierte "Modellprojekt Schlei" setzt erste Impulse für eine nachhaltige Verbesserung der Situation der Gewässer und anderen empfindlichen Ökosystemen in der Schleiregion. Aufbauend auf vorhandenen Strukturen und Erfahrungen sollen pilothafte Maßnahmen innerhalb des Gewässereinzugsgebiet der Schlei erste wichtige Bausteine zur Entwicklung der Modellregion darstellen. Dabei stehen in dieser Pilotphase die Erarbeitung von landseitigen Lösungsansätzen im Vordergrund. Auf verschiedensten Ebenen werden Netzwerke ausgebaut, Ideen entwickelt, Konzepte erarbeitet sowie auch bereits erste Maßnahmen umgesetzt. Alles dreht sich rund um das Spannungsfeld "Gewässer und Nährstoffe". Unter Einbezug der Schwerpunktthemen - Umweltbildung, kooperativer Gewässer- und Naturschutz, Ökosystemforschung, Renaturierung und regionale Wertschöpfung – soll eine ganzheitliche Lösungsstrategie erarbeitet werden. Dabei wird das Thema “Gewässerqualität der Schlei” stärker und dauerhaft in die Aktivitäten des Naturparks integriert. Warum das genau für die Schleiregion so wichtig ist, erfahrt ihr weiter unten unter Projekthintergrund.

 

© Helge Neumann

Handlungsfelder im Modellprojekt

  • Honorierung von Agrarumweltleistungen

    Umsetzung erster konkreter Maßnahmen zur Reduktion des landseitigen Nährstoffeintrags

  • Angewandte Agrarökosystemforschung 

    Entwicklung zukunftsgerichteter und gewässerschonender Landnutzungskonzepte 

  • Renaturierung empfindlicher Lebensräume

    Identifizierung und Wiederherstellung von degradierten Lebensräumen

  • Umweltbildung 

    Sensibilisierung verschiedener Zielgruppen zum Spannungsfeld "Fluss - Meer - Landnutzung"

  • Regionale Wertschöpfungsnetze in der Landwirtschaft

    Aufbau und Förderung regionaler Partnerschaften

Projekthintergrund

Gewässereinzugsgebiet der Schlei

Der Wasserhaushalt der Schlei wird durch den Wasseraustausch mit der Ostsee, über einen schmalen Mündungsbereich an der Lotseninsel, und einem steten Süßwasserzufluss durch die vielzähligen, im Hinterland liegenden Fließgewässer beeinflusst. Hierzu gehören beispielsweise wichtige Hauptzubringer wie die Füsinger Au, Koseler Au, Hüttener Au oder Grimsau. Das gesamte Gewässereinzugsgebiet der Schlei befindet sich im Naturraum "Östlichen Hügelland". Es besitzt einen Umfang von rund 670 km² und wird der sogenannten „Flussgebietseinheit Schlei/Trave“ zugeordnet. Die Schlei selbst, mit ihren kennzeichnenden Breiten, Engen, Flachbereichen und Lagunen (Noore), zählt zu den „Inneren Küstengewässern“ der Ostsee. Die, in Abhängigkeit des Salzgehaltes, unterschiedlich auftretenden Brackwasserzonen sind inbesondere für die 42km lange Schlei eine typische Merkmalsausprägung.

Der Gewässerzustand

Aufgrund der im östlichen Hügelland vorherrschenden günstigen Boden- und Klimabedingungen ist die Schleiregion mit einem Flächenanteil von circa 80 % überdurchschnittlich stark landwirtschaftlich, insbesondere ackerbaulich, geprägt. Durch eine überwiegend intensive Landnutzung werden über die Eintragspfade Erosion, Drän- und Grundwasser sowie Abschwemmung über das Jahr größere Mengen an überschüssigen Nährstoffen (Stickstoff, Phosphor) in die Fließgewässer und dadurch auch in die Schlei eingetragen. Dort verändern sie die Umweltbedingungen deutlich. Die Schlei ist sozusagen "überladen" an Nährstoffen, sodass die Lebensbedingungen für aquatische Tiere und Pflanzen beeinträchtigt werden. Bereits in der Vergangenheit wurden durch die Landwirtschaft, aber auch gewässernahe Fabriken und Kläranlagen große Nährstofffrachten in die Schlei geleitet. Diese förderten die Bildung eines mächtigen Faulschlammkörpers am Grund der Schlei, welcher bis heute dafür sorgt, dass sich Nährstoff daraus rücklösen und zusätzlich die Gewässerqualität der Schlei negativ beeinträchtigen.

Europäische Verpflichtungen

An die besonderen Umweltbedingungen der Schlei haben sich über die Jahrtausende ganz besondere Lebensgemeinschaften angepasst. Aufgrund dieser überregionalen Bedeutung wurde die Schlei und ihre Uferbereiche als europäisches Schutzgebiet im Netz Natura 2000 ausgewiesen (FFH- und Vogelschutzgebiet). Seit 2002 hat auch die Europäische Union den Zustand der Gewässer in Europa im Blick. Mit der Unterzeichnung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) hat sich Deutschland verpflichtet alle Fließgewässer, Seen und Küstengewässern in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu bringen. Hierfür werden sogenannte „Qualitätskomponenten“ bewertet. Allerdings wird der Umweltzustand der Schlei und ihrer Zuflüsse im Gewässereinzugsgebiet nach WRRL nach wie vor als „schlecht“ bewertet. Da die Schlei gleichfalls unter die Kategorie Ostsee-Küstengewässer fällt, wird ihr ökologischer Zustand auch durch die EU-Meeresstrategierahmenrichtlinie (MSRL) bewertet. Deutschland hat sich verpflichtet, einen guten ökologischen Zustand für die deutschen Küstengewässer bis 2020 herbeizuführen. Für die Schlei konnte dies anhand der MSRL-Kriterien ebenfalls nicht erreicht werden.

Zusätzliche Informationen

Sie benutzen offenbar den Internet Explorer von Microsoft als Webbrowser, um sich unsere Internetseite anzusehen.

Aus Gründen der Funktionalität und Sicherheit empfehlen wir dringend, einen aktuellen Webbrowser wie Firefox, Chrome, Safari, Opera oder Edge zu nutzen. Der Internet Explorer zeigt nicht alle Inhalte unserer Internetseite korrekt an und bietet nicht alle ihre Funktionen.